Theater 89 gastiert mit “Der eingebildete Kranke” im Tempelgarten

Im letzten Jahr gab es viel Beifall im Tempelgarten für das Ensemble Theater 89. Nun sind die Wagemutigen wieder in Brandenburg unterwegs. Ausgewählt wurde die Komödie “Der eingebildete Kranke” von Molière. Der Auftritt am 10. Juli beginnt um 19 Uhr. In Wittstock, Wusterhausen und Rheinsberg wird der schwierige Fall von Hypochondrie auch noch zu erleben sein. Man besucht Städte mit historischen Stadtkernen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Dem deutschen Gesundheitssystem geht es selbst nicht so gut. Der Verdacht, es handele sich um Hypochondrie, wurde allerdings noch nicht geäußert. Anders der Fall Argan, den Jean-Baptiste Poquelin alias Molière vor etwa mehr als 350 Jahren entwarf. Er übernahm sogar selbst die Hauptrolle. Doch am 17. Februar 1673 war die Angelegenheit für ihn erledigt. “Blutsturz!” Er verstarb noch im Kostüm. So nah und gegensätzlich können sich Bühnenwelt und Lebenswirklichkeit gegenüberstehen. Denn Argan hat wirklich nichts. Sein Leiden ist pure Einbildung. Aber auch das ist Leiden genug. Natürlich glaubt er nur Ärzten, die ihm glauben. Alle politischen Parallelen vom eingebildeten Untergang bis zur eingebildeten Erlösung bei blauem Himmel dürfen mitgedacht werden. Und gewiss darf reichlich gelacht werden.

Bloß keine giftige Schminke – Probenarbeit im Frühling.
Fotos: Erik-Jan Ouwerkerk

Christian Schäfer wird in der Titelrolle zu erleben sein. Im “Biberpelz” von Gerhart Hauptmann hatte er 2024 den Amtsvorsteher gegeben. Und 2025 in “Der neue Menoza” von Jakob Michael Lenz den exotischen Prinzen. Auf unterhaltsame musikalische Einlagen darf man sicher auch bei der laufenden Produktion unter freiem Himmel hoffen, gerade weil echte Krankheit selten zum Lachen Anlass gibt. Aber Einbildung, Imagination, grundlose Überwältigung? Notaufnahmen gab es im 17. Jahrhundert noch nicht.
Für die Übertragung ins Deutsche zeichnete Ludwig Fulda verantwortlich. Als Verfolgter des NS-Regimes beendete der Jude sein Leben 1939 selbst. Der Geächtete hatte keine Ausreisegenehmigung bekommen.
Das Theater 89 versteht sich als professionelles freies Theater. Der wagemutige Weg begann bereits im Mai 1989 in Ostberlin. Die Liste erfolgreicher Produktionen ist lang. Die Geschäftsstelle befindet sich inzwischen in Naugarten, Landkreis Uckermark. Die künstlerische Leitung hat Hans-Joachim Frank. In Wittstock/Dosse ist man mit „Der eingebildete Kranke“ am 17. Juli zu Gast, in Wusterhausen/Dosse am 13. August und in Rheinsberg am 20. August. Das Projekt wird gefördert vom Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Die Eintrittskarten können nicht bei Krankenkassen eingereicht werden.

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