Morgens um 7 Uhr in Linum …
Das Luch braucht Wasser – für seine Artenvielfalt, als Kohlenstoffspeicher und als Lebensgrundlage einer ganzen Region. Der Träger des alternativen Nobelpreises Prof. Dr. Michael Succow warb in Neuruppin für einen anderen Umgang mit Mooren und Landwirtschaft. Seine Botschaft reicht bis zur Wasserversorgung Berlins.
Von macron
Schwarzer Moorstaub, den der Wind über die Felder trägt: Dieses Bild aus dem Luch ist Michael Succow geblieben. Bei seiner Veranstaltung am 25. September 2026 in Neuruppin erinnerte er an Untersuchungen, mit denen er um 1969 die landwirtschaftliche Erschließung von Moorflächen vorbereiten sollte. Was damals als Fortschritt galt, wurde für ihn zur Erfahrung einer tiefgreifenden Landschaftszerstörung.
Mit dem Wasser verschwand vielerorts auch die Vielfalt des Lebens. Succow schilderte den Rückgang von Wiesenvögeln, Fröschen, Muscheln und Wasserschnecken. Wo er einst eine artenreiche Landschaft erlebt hatte, sehe er heute verarmte Lebensräume. Seine Erinnerungen machten das Artensterben in den Luchgebieten als örtlichen Verlust greifbar. Wasser zurückzuhalten bedeutet für ihn deshalb auch, Lebensräume wiederzugewinnen. Seine Vorstellung: Das Luch soll wieder stärker wie ein Schwamm wirken. Besonders Winterwasser müsse länger in der Landschaft bleiben. Höhere Wasserstände könnten Moorböden bewahren, Verdunstungskühlung ermöglichen und Tieren und Pflanzen neue Chancen geben. Die Landwirtschaft müsse sich diesen Bedingungen anpassen. Als Möglichkeiten nannte Succow unter anderem Wasserbüffel zur Beweidung und die Nutzung von Biomasse nasser Flächen.

Hinzu kommt die Bedeutung für den Klimaschutz: Moore speichern Kohlenstoff im Torf. Unter dauerhaft nassen, sauerstoffarmen Bedingungen werden abgestorbene Pflanzenreste nur unvollständig abgebaut. Wird das Moor entwässert, gelangt Luft in den Boden, der Torf zersetzt sich und gespeicherter Kohlenstoff wird als CO₂ freigesetzt. Wiedervernässung bremst diesen Prozess und schützt den vorhandenen Kohlenstoffvorrat. Wenn sich langfristig wieder Torf bildet, kann zusätzlich Kohlenstoff gebunden werden. Der unmittelbare Klimanutzen liegt vor allem darin, weitere CO₂-Emissionen zu vermeiden; mögliche Methanemissionen müssen in der Gesamtbilanz berücksichtigt werden. Diesen Zusammenhang erläutern das Umweltbundesamt und das Bundesamt für Naturschutz.
Mit Sorge blickte Succow auch auf die Wasserversorgung Berlins. Sinkende Grundwasserstände, fortgesetzte Entwässerung und steigender Verbrauch verschärften nach seiner Einschätzung die Lage. Er berichtete von einem Gespräch mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten, bei dem die Versorgung der Hauptstadt als zentrale Herausforderung zur Sprache gekommen sei. Immer tiefere oder fossile Grundwasservorräte anzuzapfen, sei keine dauerhafte Lösung. Die Landschaft müsse wieder Wasser halten und zur Erneuerung nutzbarer Vorräte beitragen können.

Fotos: VHS
Wie eng Stadt und Umland verbunden sind, zeigt die Berliner Wassergewinnung: Rund 60 Prozent stammen nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe aus Uferfiltrat, also Wasser aus Flüssen und Seen, das durch den Untergrund zu den Brunnen gelangt. Die Wiedervernässung des Luchs löst Berlins Wasserprobleme nicht allein. Sie gehört jedoch zu einem Umgang mit Landschaft, der ihre natürlichen Funktionen erhält.
Dazu passt eine biologische Landwirtschaft mit vielfältigen Fruchtfolgen, lebendigen Böden und möglichst geschlossenen Nährstoffkreisläufen. Der Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger kann Nährstoffüberschüsse verringern und Gewässer entlasten, wie das Umweltbundesamt erläutert. Handlungsbedarf besteht auch in OPR: Laut VSR-Gewässerschutz lagen 2021 bis 2025 rund zehn Prozent der untersuchten privaten Brunnen über 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Das ist keine repräsentative Aussage über sämtliche Brunnen oder das öffentliche Leitungswasser.
Auf Moorböden reicht allerdings auch ökologische Bewirtschaftung allein nicht aus, solange sie tief entwässert bleiben. Höhere Wasserstände und angepasste Nutzung müssen zusammenkommen. Dafür brauchen landwirtschaftliche Betriebe verlässliche Unterstützung und wirtschaftliche Perspektiven. Wer Wasser zurückhält, Artenvielfalt bewahrt und Kohlenstoff im Boden sichert, erbringt Leistungen für die gesamte Gesellschaft.
Hier knüpft der Abend an den Film „Wie geht Natur?!“ an, über den wir bereits im Beitrag „Wir sind Teil der Natur – ein Filmabend, der zum Handeln ermutigt“ berichtet haben. Am Luch wird diese Verbundenheit konkret: Unsere Zukunft hängt auch davon ab, ob wir Wasser, Boden und anderen Lebewesen den Raum lassen, den sie brauchen.
