Peter Böthig bei der Begrüßung zahlreicher Gäste in der Kirche zu Krangen.
Die Autorin Nora Osagiobare redet nicht drum herum, wenn sie mit der Moderatorin Sieglinde Geisel spricht. Es stecke Wut und Zorn in ihrem Debütroman “Daily Soap”. Die ausgewählten Textstellen zeigen allerdings auch, dass die junge Schweizerin mit viel Humor und Hintersinn schreibt. Und Rezeptionsfreundlich: Es gibt ein Personenregister und originelle Fußnoten. Die zahlreichen Gäste in der Kirche zu Krangen zeigten sich tief beeindruckt, aber auch gut unterhalten.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Anneli Killer und Thor Obioye Osayoghoghowemwen lernen sich kennen. Man erfährt sofort, dass es insgesamt nur für zwanzig Jahre Ehe reichen wird. Für eine TV-Soap wäre das keine kurze Laufzeit. Sie habe eine Schwäche “für blöde Namen”, räumt die Autorin ein. Armin Banal und Zita Bodeca sind auch ihre Geschöpfe. Mit dem Paar geht’s in die heutige Modewelt. An seifigen Allerweltsthemen wären dann noch Softpornos, Betäubungs-, Rausch- und Kräftigungmittel, Meetings und Datings, Lebensstil und Schweizerglück sowie die Hochkultur der Werbespots. Für die Vereinfacher dieser Welt hat Osagiobare die schlechte Nachricht: “Eine Zusammenfassung ist nicht möglich.” Stimmt.
Richtig ist allerdings auch, dass es immer wieder und immer wieder anders um Alltagsrassismus geht. Sie habe selbst genug erlebt, sagt die Autorin. Eine reine Leidensgeschichte aber habe sie audrücklich nicht verfassen wollen. Klischees werden aufgegriffen und zersetzt, politische Hintergründe werden – anders als beim gängigen Fernsehschaum – einbezogen, angedeutet oder angesprochen, aber ohne dass im Fußnotenapparat stünde, was hier zu lernen sei. Das erledigen die Zutändigen bestimmt gerne, wenn das Buch möglichst bald Schullektüre wird. Reclam, Schöningh oder Cornelsen werden sich noch überbieten wegen der Rechte. Junge Theatergruppen werden den Stoff dramatisieren, soweit er nicht schon dialogisch oder als Performance angelegt ist.

Fotos: VHS
Dunkle und noch dunklere Hautfarben zu unterscheiden wie Kaffeesorten oder bestimmte Zubereitungen, darauf muss man erstmal kommen. Eine Behörde treibt ihr Unwesen mit Macht. “Die ist erfunden”, erfährt man. Die Passage, in der es um “Validität und Reliabilität” von solchen Stigmata geht, zeigt die Autorin in Höchstform. Gemeinsam mit Sieglinde Geisel gibt sie später zwei Polizisten dem Spott preis. Geschossen wird nicht. Nur geredet und dann gehandelt. Ein Zugriff. Nicht eben zaghaft.
“Rassismus ist lächerlich”, sagt die Autorin. Die Folgen meint sie nicht, die sind verheerend. Um die Grundlagen, die Begründungen geht es der Autorin, die selbst zwei Pässe hat. Sie ist Nigerianerin, sie ist Schweizerin. Mit den “edlen Wilden” muss man ihr nicht kommen. Sie hat ein differenziertes Bild, unabhängig von jeder möglichen Hautfarbe. Sie setzt auf Individualität und weiß doch, welche Formierungen die Politik auch im 21. Jahrhundert bestimmen. Dass die Schweiz nicht der klassische Nationalstaat europäischer Prägung ist, birgt eigentlich Potenzial. Die letzten Jahre zeigen indessen, dass es immer mehr am Abgrenzung, um Ausgrenzung geht.
Männer zu schildern, ist eine Spezialität der Autorin. “Mit dem Hotelschlüssel in der Hand sieht er aus wie ein Kleinkind, das mit einer Rassel spielt”, lesen wir. Manchmal reichen Kategorien wie “Größenwahn, Überheblichkeit, Geltungssucht”. Über Frau Bodeca heißt es: “Sie sieht keine Farben, es sei denn, sie sind saisonal.” Es gibt auch Geschwärztes. Und die Debatte um Political Correctness. Fast verliert man die Übersicht. “Schwul und schwarz “, das ist beinahe zu viel des Guten. Nein, des Menschlichen. Des Möglichen. Überfliegt man noch einmal die Kapitel, wird klar, wie klug die Abschnitte gewählt sind, die dargeboten werden. Es gibt herzlichen Beifall für das Duo. Dann Beköstigung. Einig waren sich die Veranstalter, dass es sich gelohnt hat, diesen Stoff in der Kirche zu Krangen zu präsentieren. Eine Prämiere. Mehr dieser Art!







