Chorisma bringt Vorweihnachtsstimmung in die Siechenhauskapelle

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An Weihnachtsgebäck und Tannengrün, an Kerzenschein und Kinderaugen durften die vielen Gäste denken, die sich am 1. Advent in der Siechenhauskapelle eingefunden hatten. Chorisma wollte verzaubern. Und verzauberte. Die eigentliche Vorweihnachtsbotschaft kam natürlich auch nicht zu kurz bei dem weit ausgreifenden Musikrepertoire des Neuruppiner Kammerchors.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

“Ich steh’ an deiner Krippen hier”, wird anders intoniert als “Machet die Tore weit” zum Auftakt. Ein Kind ist geboren. Eine Frau hat entbunden. Da wäre ein kraftvoller Appell fast rücksichtslos gegenüber dem Jesuskind und Maria – und Josef auch nicht zu vergessen. Die Quartiersuche war nicht eben von Willkommenskultur geprägt. Ein Esel, der das nicht begriffe in diesem Stall, von dem die weltumspannende Kraft des christlichen Glaubens ausgehen sollte. Der “Morgenstern der finstren Nacht” scheint lautlos, die himmlischen Heerscharen machen keinen Krawall. Doch bei einem stummen Gebet oder einem sanften Summen wollen es die Musizierenden natürlich nicht belassen. Zu groß ist das Ereignis, an das alle Jahre wieder erinnert wird.
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Lieder und Melodien vom 16. Jahrhundert bis in die jüngere Vergangenheit erklingen. Dieter Winterle dirigiert mit sicherer Hand. Unterschiedliche Stimmen geben kurze Erläuterungen. Man singt mehrstimmig, wo immer es passt. Sparflamme ist nicht angesagt. Man trennt die Geschlechter bei Gelegenheit. Und diese Männer scheinen nicht unbesorgt, als “Maria durch einen Dornwald ging”. Das wirkt sehr würdevoll und einfühlsam.
Englische, norwegische und französische Lieder sind zu hören – Sprachen der Welt. Chorisma war selbst auch schon in fernen Breiten unterwegs. Die Töne haben ihre Heimat unterm Himmelszelt. “Deo Nostro” lässt hier sicherlich niemanden an die Morgenfrische im Bad denken oder den nächsten Einkauf. So viel Latein muss sein. Auf große Komponisten wie Claudio Monteverdi, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy greift man gerne zurück. “My dancing day” von Bob Chilcott wird angestimmt, um ein Lebensgefühl auszudrücken. “Ding, dong, ding, dong!”, weht nicht von der Klosterkirche herüber. Das ist andächtige Kapellenmusik. Fest steht, schier unerschütterlich oder zumindest bis rund um Heiligabend: “Süßer die Glocken nie klingen.”

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