Certaldotage auf dem Neuen Markt – eine ganz besonderes Gemengelage

Am Freitag Hochstimmung beim Partnerstädtefest, am Samstag Niederschlag, zusamengeklappte Stühle, leere Tische. Ob es dabei geblieben ist? Wer da war, weiß mehr. Auf jeden Fall hat es das angekündigte Feuerwerk zum Ausklang gegeben. Das von Bürgermeister Nico Ruhle eröffnete Freundschaftsfest war am Freitag von anderen Tönen geprägt. Teresa Hoerl und Uwe Steger musizierten. Und für ein paar Gäste aus Certaldo gab es auch noch eine interessante Lektion.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Kinder an den Spielgeräten müssen nicht wissen, wie sehr Karl Friedrich Schinkel beeindruckt war in Italien, als er sah, wie geschickt und bedacht Wasser zu Tal geleitet werden kann. Natürlich ließ Arne Krohn, der hauptverantwortliche Ehrenamtler, die Gelegenheit nicht aus, ein paar Gästen aus der Partnerstadt Certaldo die Karl-Friedrich.Schinkel-Gesellschaft näher vorzustellen. Matthias Frinken übernahm das als Vorstandsmitglied gerne. Schinkel war zweimal in Italien. Eine italienische Reise gehörte ja schon fast zum Entwicklungsprozess gewisser Herren. Man denke nur an Goethe und Herder. Schinkel weilte 1802 bis 1804 und im Jahr 1824 in Italien. Seine Skizzen und Notizen zeugen davon. In der Toskana war er auch. Matthias Frinken begrüßt die Idee, bei einem Besuch der Partnerstadt Certaldo die Architektur in den Vordergrund zu rücken, also Baukultur, Historie und Stadtentwicklung.

“Über den Wolken…” – Teresa Hoerl und Uwe Steger mit Schönwettermusik
Fotos: VHS

Am Wochenende war wahrlich viel los in der Fontanetadt. Im Tempelgarten lud man ein zum Konzert mit “Habana Blue”, das Bollwerk lockte Tierfreunde, der Niemöllerplatz rockte, es war Pride Walk und eben die Ceraldotage mit Modenschau und italienischen Gaumenfreuden. Teresa Hoerl und Uwe Steger gelang es am Freitagabend sehr schnell, die Gäste zu verzaubern. Sie gibt die Grazie, er gibt den Berufsjugendlichen. Seine Klangexperimente überraschen. Sie lässt träumen von Liebe und Sehnsucht, deutsche Verse wie die von der „Freiheit über den Wolken“ sind eher die Ausnahme. Jetzt bloß keine Politik!  
Dass Theodor Fontane auch seine Italienerlebnisse hatte, weiß man natürlich in der Fontanebildungsstadt. Er war über Florenz nach Rom gereist. Und er himmelt nicht an, was trüb ist oder trostlos „Es ist gerade gut genug zum Vorbeifahren“, notiert er einmal. Das war am Freitagabend am Neuen Markt ganz anders. Es war genau richtig zum Anhalten mit dem Fahrrad, abzusteigen zur Einkehr, allein schon wegen der guten Laune, die ansteckt, und der Fröhlichkeit der bunt gemischten Kinder angesichts der Spielgelegenheiten wie am Sandstrand.
Ob irgendwo auf der Welt noch die blöde Rede gegenüber Kindern geht, braves Aufessen des Angerichteten und Aufgetischten lasse die liebe Sonne anderntags wieder scheinen? Und Samstag in Neuruppin?

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