Die Bundesstiftung Bauakademie – eine Partnerin der Stadt Neuruppin?

Beim Stichwort Bauakademie richten sich die Gedanken in Neuruppin natürlich zunächst auf das Gebäude in Berlin, in dem Karl Friedrich Schinkel am Ende seines Lebens wohnte und wirkte, und auf diese schmerzliche Lücke. Der Vortrag von Kerstin Lassnig, die bei der Schinkel-Gesellschaft zu Gast war und auf reges Interesse stieß, galt aber noch mehr der 2019 gegründeten Stiftung Bauakademie. Sie ist dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Für Touristen ist das Arreal am Berliner Schinkelplatz nach wie vor ein Rätsel. Aber, so die Referentin, die Gelegenheit, mal in den neuen alten Roten Saal reinzuschauen, werde gerne genutzt – etwa bei Ausstellungen wie im Jahr 2025. Dort ist die Stiftung Bauakademie angesiedelt. Die Diskussion über die Art des Wiederaufbaus ist nicht abgeschlossen. Zeitungsmeldungen zeigen es immer wieder. Die Hoffnung, zum 250. Geburtstag von Karl Friedrich Schinkel im Jahr 2031 in die neue alte Bauakademie einladen zu können, mochte die Referentin nur erwähnen, nicht bestärken.
Natürlich knüpfe man als Stiftung Bauakademie an Schinkel an, sehe sich in seiner Tradition und wolle das Erbe weiter pflegen, als moderne Institution gehe man jedoch weit über die Einrichtung jener Epoche Anfang des 19. Jahrhunderts hinaus. Die Stiftung Bauakademie untersteht dem Bundesbauministerium. Die Gründung beschloss der Deutsche Bundestag. Der preußische Obrigkeitsstaat ist Geschichte. Die Ausrichtung auf Zukunftsgestaltung prägt den Geist des Hauses. Aktuell bilden 27 Personen aus unterschiedlichsten Berufs- und Erfahrungsfeldern das Team, Tendenz steigend.
Man verstehe sich als “zentrale Dialogplattform”, erläuterte Lassnig, man wolle Impulse geben, Vernetzung erleichtern und Stätte der Begegnung sein – real und/oder virtuell. Studieren kann man nicht an dieser Akademie. Aber durch sie möglichst viel lernen, zumal die Akademie selbst lernt. Und an Anlässen ist kein Mangel, wenn es um Bauen, Wohnen und Leben geht im 21. Jahrhundert, also um’s Ganze. Die finanziellen Mittel für die Akademie sind bislang nicht zum politischen Streitpunkt geworden. Die Bundesstiftung Bauakademie ist keine NGO. Sie wirkt vielleicht so.
Die Ausgangsbasis bilden die Herausforderungen ökologischer und ökonomischer Art, Stichworte: Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit. Zum komplexen Wirkungsfeld von Städteplanung und Regionalentwicklung gehört eine adäquate Infrastruktur. Die Bundeseinrichtung ist interessiert am lokalen oder regionalen Projekt, will Erhaltung und Innovation gleichermaßen beachten, hat dabei aber immer auch den Blick für größere Zusammenhänge. In der Hauptstadt ist man angesiedelt, aber nicht etwa eine bornierte Berliner Einrichtung. Die in der Fischbänkenstraße gäußerte Sorge, das nahe Brandenburg könnte vernachlässigt werden, konnte Lassnig im Hinblick auf die Akademie dämpfen. Was Großprojekte wie die für 2034 bis 2037 ins Auge gefasste Internationale Bauausstellung in Berlin angehe, würde man Stellung beziehen, wenn Anlass dazu gegeben sein sollte. Das Projekt einer Bauakademie, die sich öffnet für Kinder und Jugendliche, so Lassnig, sei derzeit noch nicht konkretisiert, habe aber große Bedeutung im weiten Raum der Pläne und Visonen.

Sehr interessiert und bester Stimmung: Amtsleiter Jan Juraschek.

Als Geburtsstadt Karl Friedrich Schinkels ist Neuruppin sozusagen per se interessiert an dem Entwicklungsprozess, das zeigte auch die Anwesenheit der Amtsleiter Jan Juraschek und Mario Zetzsche. In der offenen Aussprache wurde ihrerseits die Kooperation angeboten. Und Kerstin Lassnig hatte dafür ein offenes Ohr. Der Austausch von Kontaktdaten war gewiss am Ende der Veranstaltung mehr als ein Flirt mit der Höflichkeit.
Lassnig erläuterte zuvor auf Nachfrage, die Bauakademie sehe sich offen und kooperativ im Gefüge anderer Stiftungen und Organisationen. Als Beispiele wurden die seit 2007 in Potsdam angesiedelte Stiftung Baukultur und der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin Brandenburg genannt. Der AIV hat eben erst seinen Schinkel-Wettbewerb 2026 mit dem Bezugspunkt “Luckenwalde” zum Abschluss gebracht mit der Preisverleihung. Davon wird noch zu berichten sein.

Nach dem Vortrag: Matthias Frinken, Kerstin Lassnig und Otto Wynen.
Fotos: VHS

Um den Neuruppiner Preisträger Jan Mende und sein 2025 erschienenes essayistisches Werk (Leitfrage: “Großer Künstler, einsame Seele’?”) ging es am Ende auch. Mende hat die riesige Wohnung des Ehepaars Schinkel sorgfältig rekonstruiert. Bestens gelaunt scherzte die Sprecherin der Stiftung Bauakademie: “Vielleicht werden wir in der 2. Etage in der Wohnung sitzen.” Natürlich klimaschonend, barrierefrei und flexibel, was die modernen Formate der Begegnung anbelangt. Mit der Friedrichswerderschen Kirche von Schinkel und dem Auswärtigen Amt als weltoffenes Exekutivorgan hat man schon jetzt eine ganz unterschiedlich profilierte Nachbarschaft.
Im Predigerwitwenhaus in Neuruppin bekam Lassnig einen schmalen Eindruck vom Schinkel-Refugium in den Jahren nach der Brandkatastrophe von 1787. Und im Hinblick auf die Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft konnte sie erleben, wie groß und umfassend das Engagement ist, nicht nur im Hinblick auf 2031. Mit der Stadt Neuruppin, das machte Vorstandsmitglied Matthias Frinken schon einleitend deutlich, weiß man sich konstruktiv verbunden. Was ein “blau-grünes Projekt” im Sinne der Stiftung Bauakademie ausmacht, konnte Jan Juraschek am Beispiel der Pläne für das Terrain um den Bahnhof Rheinsberger Tor erläutern. Regenwasser wird mit dem Wort Niederschlag ja auch einfach zu geringschätzig bezeichnet. Und Abwasser wirkt so richtig abfällig. Was nottut, wissen die dürstenden Pflanzen. Der Durst dürfte noch zunehmen. Also ist Umleitung angesagt nah am Stadtwall. Künstliche Wasserwege hatte schon Schinkel in den Bergen Italiens bewundert.
Vorstandmitglied Otto Wynen überreichte der mit viel Beifall bedachten Referentin Kerstin Lassnig als Präsent das in der Edition Rieger erschienene Werk “Schinkel im Bildnis seiner Zeit” von Mario A. Zadow. Für’s Haus gab’s gleich noch zwei weitere Exemplare drauf. Am frühen Nachmittag dieses Tages waren zahlreiche junge Schülerinnen und Schüler im Predigerwitwenhaus gewesen. Stadtentdeckung auf den Spuren Karl Friedrich Schinkels. Besser hätte nicht gezeigt werden können, dass einige Bewegung in die Fontanestadt im Hinblick auf Schinkel gekommen ist. Was Veranstaltungen in Berlin angeht wie Schinkel Talk oder Lecture, gibt die Homepage der Stiftung die nötigen Informationen. Am 22. April 2026 lautet das Thema ab 18.30 Uhr: “Design & Demokratie – Wie kann öffentlicher Raum den sozialen Zusammenhalt stärken?”

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