Neuer Bahnhofsvorplatz – aber ohne Bürgerbahnhof?

Am Rheinsberger Tor beginnt der Umbau zu einem modernen Verkehrsknotenpunkt. Gleichzeitig steht die Tourist-Information im Bahnhofsgebäude vor dem Aus. Auch die Zukunft des Fahrkartenverkaufs ist offen. Über die Neuordnung des Tourismusservices sollen die Stadtverordneten im Oktober entscheiden.

Von macron

Wer mit der Bahn nach Neuruppin kommt, findet bislang gleich am Rheinsberger Tor eine Anlaufstelle: für Fahrkarten, Stadtführungen, Ausflugstipps oder eine Fahrt auf dem Ruppiner See. Doch diese Verbindung von Reiseberatung und touristischem Empfang könnte bald Geschichte sein. Wie die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet, sehen die Betreiber des Bürgerbahnhofs unter den bisherigen finanziellen Bedingungen keine Zukunft mehr für das Angebot. Die Tourist-Information könnte zum Jahresende schließen. Beschlossen ist das bislang nicht.

Nach dem Bericht von MAZ-Redakteur Reyk Grunow erhalten die Unternehmen von Daniel Schmidt und Carsten Bennesch zuletzt knapp 200.000 Euro jährlich einschließlich Steuern von der Stadt. Damit werden verschiedene Leistungen finanziert, darunter Personal, der Unterhalt des Bahnhofs und die touristische Werbung für Neuruppin. Für einen Weiterbetrieb benötigten die Betreiber nach eigenen Angaben etwa 120.000 Euro zusätzlich. Sie begründen dies mit erheblich gestiegenen Kosten, Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung und einem veränderten Buchungsverhalten: Unterkünfte würden inzwischen überwiegend im Internet gebucht.

Soll nicht auf Eis gelegt werden – Die Neuruppiner Fahrgastschifffahrt.
Foto: macron

Kulturamtsleiter Mario Zetzsche schlägt nach Darstellung der MAZ einen anderen Weg vor. Die Stadt könnte touristische Auskünfte künftig selbst anbieten, beispielsweise im Museum oder im Alten Gymnasium. Die bisherige Förderung soll reduziert werden. Für die Fahrgastschifffahrt seien weiterhin 100.000 Euro jährlich bis 2031 vorgesehen. Damit sollen ein Linienbetrieb auf dem Ruppiner See und eine wöchentliche Verbindung nach Boltenmühle gesichert werden. Ein Büro am Bollwerk könnte den bisherigen Standort ersetzen.

Ob diese Neuordnung tatsächlich günstiger wäre, ist allerdings noch nicht ausreichend geklärt. Der MAZ zufolge vermissten mehrere Stadtverordnete im Sozialausschuss belastbare Angaben zu den finanziellen und personellen Folgen. Wenn die Stadt Aufgaben übernimmt, stellt sich schließlich auch die Frage, wer sie erledigt und welche zusätzlichen Kosten entstehen. Der Ausschuss vertagte die Entscheidung. Weitere Erläuterungen werden dem Bericht zufolge im Hauptausschuss am 28. September erwartet; die Stadtverordneten sollen am 12. Oktober entscheiden. Grundlage dieser Angaben ist der MAZ-Bericht von Reyk Grunow über die Zukunft des Bürgerbahnhofs.

Dabei geht es um mehr als die Vermittlung von Übernachtungen. Auf seiner eigenen Internetseite nennt der Bürgerbahnhof neben touristischen Auskünften auch den Verkauf nationaler und internationaler Bahnfahrkarten sowie von VBB-Tickets, Veranstaltungskarten und Reservierungen für die Fahrgastschifffahrt. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Einheimische. Eine Verlagerung der Tourist-Information beantwortet deshalb noch nicht die Frage, was aus der persönlichen Fahrkartenberatung wird. Laut MAZ halten die bisherigen Betreiber deren Fortführung durch ihr Unternehmen für wirtschaftlich nicht tragfähig; eine Nachfolgelösung ist offen. Derzeit sind die Leistungen weiterhin auf der Internetseite des Tourismusservices aufgeführt.

Fördermittel für das Rheinsberger Tor: Rund 3,1 Millionen Euro stellt das Land für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes bereit. Während dort ein moderner Verkehrsknotenpunkt entstehen soll, ist die Zukunft von Tourist-Information und Fahrkartenverkauf im Bürgerbahnhof offen. Aufnahme vom 12.Dezember 2025
Foto: macron

Besonders deutlich wird die Tragweite der Diskussion beim Blick vor die Bahnhofstür. Dort soll gerade ein besserer Umstieg zwischen Bahn, Bus und Fahrrad entstehen. Nach Angaben des brandenburgischen Infrastrukturministeriums sind fünf barrierefreie Bushaltestellen, neue Fahrradabstellanlagen, digitale Fahrgastinformationen und eine öffentliche Toilette vorgesehen. Die veranschlagten Gesamtinvestitionen betragen rund 5,05 Millionen Euro, davon kommen rund 3,1 Millionen Euro aus dem Landesprogramm „ÖPNV-Invest“. Das Ministerium begründet die Förderung ausdrücklich auch mit der Bedeutung attraktiver Bahnhöfe für Pendler und Touristen.

Die Stadt nennt für den Umbau einen Zeitraum von September 2026 bis voraussichtlich Dezember 2027. Über die Planungen hatte in-neuruppin.de bereits berichtet. Den Bauablauf und weitere Einzelheiten erläutert die städtische Projektseite zum Rheinsberger Tor.

Ein erneuerter Vorplatz und eine veränderte Organisation der Tourist-Information müssen sich nicht widersprechen. Erklärungsbedürftig bleibt aber, wie beides zusammenpassen soll: draußen kürzere Wege und bessere Orientierung, drinnen möglicherweise keine persönliche Anlaufstelle mehr. Für die anstehende Entscheidung wird deshalb nicht allein entscheidend sein, welcher Zuschuss entfällt. Ebenso wichtig ist, welche Leistungen erhalten bleiben, wo sie künftig erreichbar sind und was die gesamte Lösung tatsächlich kostet.

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