Dreizehnte Bechliner Büchertauschaktion lockt viele Interessierte an

Büchertausch, das klingt nach “Ein Karl May gegen drei Bände Karl Marx”. Der verträumte Gelehrte hat sich ja intensiv mit der Warentauschökonomie und ihren Genzen beschäftigt. Bei der Bücheraktion geht es nicht um den direkten Tausch und noch weniger um Kaufrausch. Geld zirkuliert nicht. Es ist ein Geben und Nehmen. Wer nichts mitbringt, darf dennoch zupacken und bisschen einsacken. Das kulinarische Angebot hat gewiss auch angelockt. Und die Möglichkeit, Menschen zu treffen rund ums Buch.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Man orientiert sich in Bechlin am Welttag des Buchs. Das ist der 23. April. Lesen soll gefördert werden. Über Generationen hinweg.Und unter Bildungshürden hindurch. Wer zum ersten Mal dort unweit der Autobahn dabei war, hat keinen direkten Vergleich. Aber den Eindruck, dass das Angebot beim 13. Büchertauschtag groß ist, das Interesse auch. Ein freundlicher Herr, der in Neuruppin nicht selten Grußworte spricht und noch viel mehr, war auch da. Wohl eher privat. Deshalb kann man im Folgenden auch nicht lesen, was er mitgebracht hat und was er mitgenommen hat. Und ob er wirklich liest.

Ein Blick auf einen der Kinder- und Jugendbuchtische.

Es ist also nur ein vager Eindruck: Das Unterhaltsame überwog. Aber irgendwo liegt ein dicker blauer Fontane. “Der Pate” ruht noch aus. Dann gleich drei Karl May. Die DDR-Version. Dann plötzlich “Oliver Twist”. Ein Satz Schülerduden sticht ins Auge. Jede genau quantifizierende Aussage wäre unredlich. Man weiß nicht, was schon weg ist. Man weiß Punkt vier nicht, was noch kommt bis gegen fünf. Aber im Vergleich zu Lesungen in Neuruppin ist der Anteil der Menschen, die in Papieren als “männlich” dingfest gemacht werden dürften, recht hoch. Fast hätte man all die Ratgeber und all das Medizinische vergessen. Dann das Thema Reisen. Dann Garten und Natur. Und und und…
Selbst schaut man zu Hause in “Generation Doof”. In zwei Jahren wird das Buch zwanzig. Man hat es selbst mal Jahre nach der Lektüre verschenkt. Nett, aber nicht gerade klug angesichts der angeblichen Aktualität der Diagnose. Aber die KI soll ja idiotensicher sein. Blöd, wer das glaubt.
Positiv fällt in Bechlin auf, dass Bilder- und Kinderbücher sowie Fotobände anders präsentiert werden als alles Buchstabenschwere oder Dickleibige. Die Mitbringsel liegen flach aus. So haben es etwa Kinder, die noch nicht lesen können oder nur ein wenig, ziemlich leicht, ins Werk zu finden. Das braucht Platz. Und die richtige Höhe. Gut, dass das meiste Mitgebrachte in Reihe gelegt werden kann. Der Puzo, der Morton Rhue und die Droste liegen direkt nebeneinander. Für spießige Philologen vermutlich ein Alptraum. Kein System! Herrlich! Irgendwo dann “Antigone”. Noch nicht mitgenommen, diese Schullektüre zum Thema Ungehorsam in der Welt der Antike.

Lang aufgereiht oder zum Reinschauen ausgelegt.
Fotos: VHS

Die Stimmung ist gut. Die der hier Lesenden könnte, soweit im Osten verwurzelt und staatssozialistisch sozialisiert, schlecht werden, wenn da gleich stünde, womit das besagte Werk zur Doofheit beginnt. Also mit einem Fall aus welchem Bundesland in welcher Himmelsrichtung? Na? Nein! Selbst lesen macht klug oder weniger dumm. Und nicht vergessen: 2027 im April ist sicherlich wieder Büchertauschaktion in Bechlin. Und bis dahin bleibt der offene Bücherschrank unweit der altehrwürdigen Kirche…

Fotos 1 bis 3: VHS

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