Kein Wallfahrtsort für Rechtspopulisten: Das Brandenburg Preußen Museum

Auf der A 24 gibt es eins dieser braunen Hinweisschilder auf das Brandenburg Preußen Museum in Wustrau. Mit der neuen Dauerausstellung bietet man indessen ein vielfarbiges Bild der Geschichte. Ein Hauch von Humor zeigt sich schon im Titel: “Ein Spaziergang durch die Geschichte”. Angesichts des Einsatzes moderner Medien könnte man glatt von einem Mehrgenerationhaus sprechen. Es gibt sogar ein Würfelspiel.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Der AfD-Politiker Björn Höcke hat einmal als Preußenbewunderer und Kritiker des “heutigen Parteienstaats” geäußert: “Macht und Geist müssen erst wieder konvergieren.” Nein, das war keine Rücktrittsankünigung. Der Blick auf’s Ganze ist nie einfach, wenn es um nicht wenige Jahrhunderte geht. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass der Bezug schon geografisch mehrschichtig ist. Brandenburg ist nicht Preußen. Und umgekehrt.
Im heutigen Bundesland Brandenburg und in dem so sorgsam eingehüllten Berlin darf man sich freuen, mit dem Museum in Wustrau nun eine Adresse zu haben, die Qualität bietet durch Differenzierung, dazu beste Anschaulichkeit, manchmal Hörbarkeit oder Greifbarkeit, außerdem eine gehörige Portion Humor. Empfangen wird man von vier schwebenden Königsköpfen, Motto “Kopfgeburt Preußen”. Die Herrschaften Friedrich Wilhelm, Friedrich III., Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. haben ein Leitwort gemeinsam. Man hört es am Ende einer akustischen Installation von Christian Arpassi: “Ich wollte nicht sein wie der Vater.”

Nicht der einzige Aufstand im Preußen der 1840er-Jahre .

Um Mütter, um Töchter, um Frauen und Mädchen geht es auch, ob am Preußischen Hofe oder im Elend des Webergewerbes, ob unter Romantikern oder auf einem Plakat der NSDAP. Benachteiligung und Vernachlässigung werden dokumentiert, aber genauso die Anfänge von Frauenbildung und die Schritte zum Frauenwahlrecht, überwiegend erkämpft von Frauen. “Der Untertan” fehlt nicht als Bilddokument zu Buch und Film, “Der Hauptmann von Köpenick” auch nicht. Preußischer Militarismus ist ein großes Thema, aber eben nicht das einzige. Preußische Größe kann viel bedeuten. Selbst zum Schlüsselthema Toleranz findet man im Museum ein differenziertes Bild, basierend auf Informationen zur Auswanderung und zur Einwanderung, Stichwort Toleranzedikt. Religionskonflikte gehören zur Entwicklung. Regionale Bedingungen ebenso, etwa Bodenschatzarmut und Wälderreichtum, Feuergefahr inbegriffen. Man brauchte intelligente Lösungen.

Einfach einladend: das Brandenburg Preußen Museum in Wustrau.
Fotos: VHS

Findet das Angebot die verdiente Resonanz in der Bevölkerung, auch an Schulen in Brandenburg und Berlin, bleibt umso mehr zu hoffen, dass es bald möglich sein wird, das Wesentliche als Broschüre oder Magazin mitzunehmen. Was Wustrau sonst noch zu bieten hat, wird auf dem ausliegenden Flyer gerne erwähnt. Einiges!!!

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