Geburtstagskonzert in der Klosterkirche mit einem Überraschungsgast

Von einer Geburtstagsfeier als Gast reichlich beschenkt heimzukehren, das ist sicher immer noch eher eine Seltenheit. Doch vom Geburtstagskonzert für den am 4. August 1946 geborenen dänischen Komponisten Bjarne Hersbo mit Thomas Sauer an der Orgel wird man das sagen dürfen. Die Pointe: Der Jubilar war selbst zugegen. Mit Freunden und Verwandten ließ er es sich schon ein paar Tage gut gehen in Neuruppin. Urlaub in Deutschland, daran dürfte man in Dänemark ein Jahr nach dem Krieg gewiss nicht gedacht haben.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Für den kirchlichen Konzertmanager Matthias Noack war es natürlich eine große Freude, den Überraschungsgast des Abends zu präsentieren. Und als bekennender Verehrer des Dänen war Thomas Sauer nicht mehr zu bremsen. Er selbst durfte 2024 immerhin auch schon den 70. Geburtstag feiern. Seine Entscheidung, drei Kompositionen von den Komponisten Buxtehude, Bach und Mendelssohn-Bartholdy zu präsentieren, hatte den Nebeneffekt, die Werke des Dänen noch intensiver, noch unkonventioneller, noch groß- und unartiger wirken zu lassen. Etwas Pflicht und viel Kür? So wunderbar arrangiert, galt der begeisterte Applaus sicherlich gleichermaßen dem Organisten wie dem Komponisten.

Organist Thomas Sauer an der Zwillingsorgel in seinem Element

“Vater unser im Himmelreich” von Felix Mendelssohn Bartholdy hat etwas sehr Kirchenfrommes. Man meint, die Worte Martin Luthers von 1529 zu hören. Die “Steps to Heaven “ von Bjarne Hersbo sind von anderer Art, auch wenn “The Lord’s Prayer” gegeben wird. Himmelsmataphern öffnen eben weite Räume. Sauer lockt nicht mit Engelsgesang. Ein Säuseln ist nicht zu vernehmen. Es grummelt. Es dröhnt. Es kracht und blitzt. Erst danach darf geträumt werden oder gehofft auf Erlösung. Die Ströme der Seligkeit fließen dahin und sind wohltuend für die Seele. Ähnlich später der Kontrast zwischen Johann Sebastian Bachs Triosonate C-Dur und Bjarne Hersbos “Fantasie pour Orgue”. Nicht auszudenken, der Orgelwind müsste immer noch von jungen Balgtretern erzeugt werden. So aber konnte Thomas Sauer im besten Sinne des Wortes alle Register ziehen, fast als hätte sich ein “i” für’s “u” eingeschlichen ins Programm. Nicht allein für den Organisten und für den Komponisten schien dieser ganze Abend ein Jungbrunnen zu sein. “Viel Glück und viel Segen!”, hieß es gleich zu Beginn aus den Kehlen der Geburtstagsgesellschaft. Irgendjemand sang irgendwo: “Gesundheit und Wohlklang sei auch mit dabei!”

Ungeprobt, gewiss nicht unerhört: “Viel Gluck und viel Segen!”
Fotos VHS

Die erfolgreiche Konzertreihe zur Sommerzeit wird am 11. August mit “La Fiesta Musica” fortgesetzt. Man erwartet “emBRASSment” aus Leipzig. Außer der Reihe
gibt es am 14. August ein Konzert für Pauken, Marimba und Orgel. Abkühlung bei heißer Musik, das bietet die Klosterkirche. Matthias Noack hat ja Recht, wenn er sagt „Einer der angenehmsten Orte in der Stadt!“ Noch steht nicht „24/7“ an der Tür zum Gotteshaus.

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