Ob Moin, Tach oder Hallo – Hauptsache, man kommt ins Gespräch. Bild von wal_172619 auf Pixabay
Ob Moin, Tach, Hi oder Allet juut – in Neuruppin begegnen sich unterschiedlichste Sprachwelten. Eine humorvolle Annäherung an die Kunst der Begrüßung.
Von Otto Wynen
Im multikulturellen Milieu unseres schönen Neuruppins gibt es keine Verständigungsprobleme. Trotz der Verbal-Invasion der Nordmänner mit ihrem inzwischen fast allgegenwärtigen Moin, bleibt es bei einem friedlichen Miteinander. Auch wenn die Brandenburger bei ihrem manchmal etwas schroff klingenden „Tach“ bleiben – gilt auch hier: der Ton macht die Musik. Tach kann geradezu liebevoll klingen und gepaart mit einem verschmitzten Lächeln erweckt es manchmal sogar den Eindruck, die Märker hätten Humor. (Hammse ja auch – manchmal jedenfalls.) Das könnte man vollends glauben, wenn das Tach zu einem Tach-chen wird. Fehlt nur noch die Einladung auf ein Bier oder eine Tasse Kaffee. Tach zusammen.
Das Moin ist da monolithischer – lässt wenig Sprachspiel zu. Nur in der Verdoppelung als Moin Moin liegt der Variantenreichtum. Und vermutlich – ich bin kein Volkskundler – ist Moin auch nur die Kurzform für das ursprünglichere Moin Moin.

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Dass ein „Grüß Gott“ im märkisch-atheistischen Sand auf keinen fruchtbaren Boden fällt, ist nicht weiter verwunderlich. 60 Prozent Atheisten oder „Nicht-Religiöse“ prägen eben ex-negativo auch die Atmosphäre. Dem mit einer weiteren Christianisierungswelle aus dem Westen begegnen zu wollen, wäre dann auch etwas übertrieben und würde den sowieso schon überbetonten Ost-West-Gegensatz nur noch verschärfen. Und weil wir hier so gott-scheue Wesen sind, haben wir Gott kurzerhand durch ein Du ersetzt – auch eine philosophisch interessante Selbstermächtigung. Statt „Grüß Gott“ heißt es eben „Grüß Dich“.
Fast universal sind längst die Schrumpf-Begrüßungsformeln wie Hi (sprich: Hei) oder Hallo. Das funktioniert generationenübergreifend. „Hi“ ist multi-kulti in Reinkultur. „Hi“ ist universal. Als Möchtegern-Bildungsbürger denkt man dann zwar gerne an „gute alte Zeiten“ (was ja auch wiederum eine der albernsten Geschichtsklitterungen ist) zurück und beklagt die Sprachbarbarei. Ob aber Moin oder Tach zivilisiertere Begrüßungsformeln sind, lassen wir jetzt mal dahingestellt.
Was ich bislang noch gar nicht erwähnt habe, ist, dass man selbstverständlich auch immer noch: „Guten Morgen“, „Guten Tag“ und „Guten Abend“ sagen kann. Bei der Begegnung mit Fremden oder Unbekannten ist das ein Ausdruck respektvoller Höflichkeit, unter Freunden und Bekannten wirkt es eher befremdlich.
Aber so ist das mit der Sprache – ständig im Wandel und kaum glaubt man etwas verstanden zu haben, gilt schon etwas anderes. Das macht Begegnungen auch spannend. Sie können experimentieren und hier und da einen Überraschungseffekt erzielen, wenn Ihnen eine unerwartete Begrüßungsformel einfällt.
Einen Leitsatz könnten Sie aber auf jeden Fall beherzigen – er stammt aus der Tierwelt. Genauer gesagt von Skipper, dem Anführer der vier Pinguine aus dem Film Madagascar: „Stur lächeln und winken, Männer. Lächeln und Winken.“ Funktioniert immer.
Ach, dass ich es nicht vergesse: die märkische Standardbegrüßung ist eine Frage und lautet: „Allet juut?“ Und die Antwort darauf lautet natürlich „Allet juut.“ Das ist Sprachkomik und Sprachakrobatik in höchster Vollendung.
Kaum zu glauben, dass es eine Spracherfindung aus der Mark Brandenburg sein soll, oder?
Apropos Spracherfindung: Sie sind natürlich herzlich eingeladen, ihre Sprachschöpfungen hier zum Besten zu geben. Auch das trägt zu unser aller Horizonterweiterung bei.

„Een moin daach“ gesprochen ist wohl im Norddeutschen – einen guten Tag …
„moin moin“ ist der Gute Morgen … „moin“ also dann: „Gut´n“ …
Hier im brandenburgischen hör und sage ich oft „Tach-chen“ oder „Ta-schön“ …
Viele schreiben sich „Huhu“ und servus …
spannendes Thema, wie man in einen smaltalk rutschen – oder ihn vermeiden möchte ?!