Wenn aus Sonaten und Suiten perlende Klänge und klingende Perlen werden

Reinhard Glende und Bert Greiner verstehen es meisterhaft, ihre Instrumente zum Klingen zu bringen, ob Cembalo oder Violine. Auf jegliches Wort wird verzichtet – bis zum Ausklang. “Barocke Perlen” heißt das Programm, mit dem die Reihe der Sommerkonzerte fortgesetzt wurde. Fast siebzig Gäste kamen zu einem besonderen Hörgenuss. Der Applaus für das Duo war Ausdruck von Anerkennung, Dankbarkeit und Bewunderung.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Matthias Noack hatte mit einem Wortkünstler eröffnet, der vor allem als Kabarettist berühmt wurde, aber auch zahlreiche religiöse Texte verfasst hat. Die helle Seite von Hanns-Dieter Hüsch hat einst in der sogenannten BRD viele Anhänger der kritischen Kleinkunst überrascht. “Das Land, nach dem ich mich so sehne” – Worte eines Unverzagten, eines Hoffenden, eines Weltoffenen. Cembalo und Violine wurden so gespielt, als wären sie selbst beseelt. Sie haben die Saiten, die dafür vonnöten sind, und die beiden Musiker können ihre ganze Erfahrung einbringen, ohne deshalb routiniert zu wirken.

Glasperlenspiel – Reinhard Glende mit einem Solostück von Domenico Zipoli.

Mit Sonaten von Arcangelo Corelli und Domenico Zipoli ging es nach Italien. Dass ihr Wirken als Komponisten, aber auch als Musiker dazu beitrug, die Instrumentalmusik um 1700 aufzuwerten, wurde durch die Darbietung gut vorstellbar, zuerst im innig verbundenen Duett, dann als Sologesang des Cembalos. Zart klingt es, zerbrechlich. Später griff Reinhard Glende zu Werken von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach, um die Töne perlen zu lassen, auf dass sie glitzern und strahlen und so die Lauschenden loslösen vom Tagewerk oder von Wetterszenarien. Im Geiste durfte auch mal getanzt werden.
Besondere Beachtung fand der Komponist Georg Friedrich Händel aus Halle an der Saale mit einer Suite, einer Sonate und zwei Phantasien. Früh- und Hochbegabung sollen sich schon in seinem Kinderzimmer getroffen haben. In der Klosterkirche gab es Ausgereiftes als Ausdruck ganz unterschiedlicher Gefühlslagen. London wurde für Händel zur Hauptwirkungsstätte. Ein Migrant also, wanderfest und wagemutig. Die beiden Musiker wirken in Händels Welt ein wenig entrückt in ihrem Spiel. Oder einfach bescheiden. Bloß keine Showeffekte! Kein Geltungssdrang! Kein Gerede! Das ist äußerst wohltuend an einem Tag, an dem man sich in einer Kirche in Stade fast zur selben Zeit versammelt, um Gemeinschaft zu bilden und zu weinen angesichts von Unfassbarem.

Hochkonzentriert, voller Hingabe: Bert Greiners Seelengesang an der Violine.
Fotos: VHS

Am 7. Juli 2026 heißt das Motto in der Klosterkirche am 4. Sommerkonzertabend “Together in one”. Musik ganz unterschiedlicher Herkunft und ganz eigener Art soll erklingen. Man will Grenzen überwinden. Bloß Okzident, das wäre bisschen wenig für ein Weltbild aus Musik. Im Gegenlicht der Orient. Wieder läuten die Glocken der Klosterkirche um 19.25 Uhr.

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