AudioWalk’33: Neuruppin im Jahr 1933 – ein historischer Stadtrundgang

Erinnern vor Ort” heißt das Projekt des Aktionsbündnissses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus. AudioWalk’33 konzentriert sich auf die radikale Zerstörung der Demokratie durch die Politik der NSDAP ab Januar 1933. Was in Berlin vor sich geht, findet Beachtung, doch das Hauptaugenmerk gilt dem jeweiligen Ort in Brandenburg – von Bad Belzig bis Wittenberge. Mittendrin: Neuruppin.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

“Fackelzug durch Neuruppin” ist am Abend des 30. Januar 1933 angesagt. Man startete am Bernhard-Brasch-Platz. Die unterwürfige Lokalpresse spricht von 1000 Menschen, vorneweg die SA. Hintergrundinformationen machen klar, welche Bedeutung die Stationen zuvor hatten, etwa der Schulplatz. Er heißt ab 20. April 1933, also “Führers Geburtstag”, nun offiziell “Adolf-Hitler-Platz”. Andere Umbenennungen werden einbezogen.
Der Boykott jüdischer Geschäfte wird thematisiert, ebenso die Verfolgung politischer Gegner, also vor allem von KPD- und SPD-Politikern und -Politikerinnen. Die Sprechenden gendern, soweit möglich, also nicht bei “Juden und Jüdinnen”.

Erinnerung an das NS-Sondergefängnis unweit vom Rheinsberger Tor
Darstellungen übernommen von der Internetseite des Aktionsbündnisses.

Besonders überraschend ist die Information über ein frühes Sondergefängnis. In sogenannte “Schutzhaft” kamen am 22. Juni 1933 insgesamt 45 Personen. Die Zahl stieg auf etwa 80. Die stillgelegte Schönbeck’sche Brauerei diente ein paar Wochen als geschlossenes Lager. Die Abkürzung KZ wird beim AudioWalk’33 vermieden. Man erfährt aber von totaler Isolation und Willkür, von Demütigung und Folter. Einzelne Opfernamen werden genannt, etwa Franz Maecker. Namen von Tätern und Täterinnen fallen nicht, soweit es um diese Einrichtung geht. Wie erfolgreich die NSDAP in Neuruppin war, schon vor der Pseudowahl vom März 1933, wird früh dargelegt. Jede Folge endet mit Basisinformationen zum Ende der Weimarer Republik.
Dass Orte wie der heutige Schulplatz, aber auch die Straße vor dem historischen Rathaus völlig menschenleer gezeigt werden, hat presserechtliche Gründe. Kartenmaterial hilft vor allem auswärtigen Interessierten, sich zu orientieren. Wie sich die Orte über Brandenburg verteilen, wird auch sichtbar. Themen wie den antijüdischen Geschäftsboykott gibt es mehrfach, aber dennoch hat jeder Ort seine eigene unheilvolle Geschichte. In Brandenburg an der Havel etwa gab es 1933 eine Bücherverbrennung. In Fehrbellin wurden Frauen zu einem Vortrag über “Rassenhygiene” eingeladen. Nicht wenige Menschen wähnten sich in einer “Neuen Zeit”, nach Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und Staatskrise.

Quelle: Erinnern vor Ort

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