ARTEVIVO: Mehr als ein aufgeregter Abendflirt zwischen Violine und Orgel

Es darf getanzt werden. Es darf geträumt werden. Violine und Orgel machen es auf ihre Art ja auch – mal gemeinsam, mal fast einsam. Setzt Franticek Vanisek zum Solo an der Orgel an, verliert die Königin der Instrumente für Momente das Monumentale. Streicht Lada Fedorova allein die Geige, gibt’s Seelengesang im Überschwang. ARTEVIVO wusste über die Maßen zu gefallen. Fast zweihundert Gäste kamen beim fünften Sommerkonzert zum Hochgenuss und sparten nicht nur vor der fälligen Zugabe nicht mit Applaus.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Thomas Heise stimmte die Versammlung ein mit Worten von Marie Luise Kaschnitz: “Es muss doch noch irgendwo sein. Etwas, das trägt und hält.” Eine tiefe Sehnsucht spricht sich aus. Danach sprechen nur noch die Instrumente. Dass die beiden Musizierenden zusammengefunden haben, ist ein Glücksfall. Was musikalische Vielfalt ausmacht, zeigt das Repertoire.
“Flamenco” von Aleksey Igudesman lässt das Spiel der Geigerin entflammen. In “Romance” von Otto Olsson ist schon an den Abschied der beiden voneinander zu denken. Die Orgel hat da die Hochherrlichkeit aus dem Solo-“Praeludium” von Jiří Strejc längst überwunden. Geredet wird nicht. Gesungen auch nicht. Nur die Saiten klingen. Nur die Pfeifen tönen. Bei der Motette “Jesu meine Freude” von Johann Sebastian Bach mögen Verse erinnert werden in den Reihen. “Meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier…”

Ein Flirt mit der Welt – eine großartige Performance!

Was das Humorige in der “Humoresque” von Antonin Dvorak ausmacht, offenbart die Spielerei mit Themen und Motiven. Verschmitzt blickt die Künstlerin. Mehr wissen zu wollen, wäre albern. Es ist die Performance, die bis in die letzten Reihen ausstrahlt. Er ist also Professor. Und sie hat ein Diplom als Solistin. “Prelude im klassischen Stil” von Gordon Young lässt ihn nicht Vorlesung halten. Oder doch? Dann Glückwunsch, Universität Hradec Kralove! Sie wächst als Solistin über sich hinaus. Manchmal meint man, mehrere Geigen zu hören. Die langen Striche sind eher die Ausnahme. Die Luft vibriert. Ein Fieber? Zum Sommerabenteuer auf Tournee gehört, wie hier mit Klischees gespielt wird – von der Farbwahl der Kostümierung bis zur Performance. Musik und darstellende Kunst gehörten in ihrer Ausbildung zusammen. Das darf Schule machen.

Vorlesung mal anders – aber die leidige Mitschrift?.
Fotos: VHS

Ehe “Libertango” und andere Weisen am 21. Juli 2026 als Sommerkonzert Nummer 6 gegeben werden von Ralf Benschu und Jessyca Flemming am Saxophon und an der Harfe, soll am 17. Juli ab 18 Uhr eine Werkschau in der Klosterkirche eröffnet werden. Künstlerinnen und Künstler erinnern an Projekte in der Galerie am Bollwerk. “Treffpunkt Orgel” heißt’s ab 17.30 Uhr. Beim Konzert Nummer 5 waren auch Touristen und Touristinnen unter den Gästen. Dass der Konzertsommer längst Geheimtipp ist, ist bloß ein Gerücht.

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