“Der Stechlin – Der General und der Dichter” – wer dächte da nicht an Theodor Fontane? Aber welcher General? Der Roman klingt anders aus, fast zivilisiert. Hauptsache feudal. Der derart betitelte Dokumentarfilm greift das Verhältnis von Karl Litzmann und Armin Wegner auf. In Neuglobsow trafen sie persönlich aufeinander. Krasser könnte ein Kontrast kaum sein.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Armin T. Wegner kommt 1886 in Elberfeld zur Welt. Sein heutiger Bekanntheitsgrad ist gering, auch ein von Volker Weidermann 2012 herausgegebener Sammelband hat daran nichts geändert. Dort liest man: “Kaum wurden mir nach dem ersten Kriege einige Jahre an den Ufern Märkischer Seen geschenkt, als ich, gleichfalls vertrieben, mich von neuem auf den Weg machen musste.” Wegner und seine Frau Lola Landau lebten in den 20er-Jahren in Neuglobsow. Er war überzeugter und aktiver Pazifist. Eigene Kriegserlebnisse als Sanitätssoldat in Anatolien hatten seine Weltsicht geprägt. Als Fotograf und Journalist sorgt er dafür, dass die millionenfache Vertreibung der Armenier durch Jungtürken nicht verborgen blieb. Das weitere Schicksal konnte er nicht dokumentieren, hat aber darüber geschrieben.
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Bild: Die Filmdokumentation von Rolf Hosfeld aus dem Jahr 1997.
Neuglobsow war Heimat von Karl Litzmann. In der Dokumentation “Der General und der Dichter”, die der Netzgigant Amazon anbietet als Video, machen sich Nachfahren auf die Spuren der Männer am Stechlin. Die Atmosphäre am See wird von geschickt gewählter Musik getragen. Doch was Wegners Protestschreiben an Adolf Hitler im Jahr 1933 angeht, in dem er Antisemitismus anprangert, lohnt es sich, zum Sammelband zu greifen.
“Zwiegespräch mit einem Toten” wird nicht zur Heldengeschichte, da das eigene Tun und Lassen eher lakonisch dargelegt wird. Nach dem Holocaust ist Wegners Sicht von Scham und Schuld geprägt, auch wenn er selbst sein Leben riskiert hat. Litzmann wird nicht erwähnt. Als Adolf Hitler 1936 zu dessen Begräbnis nach Neuglobsow kommt, ist Wegner schon im Exil in Italien. Warum das Land Mussolinis? Weiterforschen! Im Jahr 1933 kam es zur Inhaftierung, zu Folter und Qual. Liest man die Erzählung “Der Knabe Hüssein”, für Weidermann die beste, glaubt man kaum, dass ein Pazifist die Feder geführt hat. Gewalthandlungen werden hautnah geschildert. Aus Opfersicht, aus Tätersicht. Und der hin- und hergerissene Hüssein ist noch ein Knabe.

Foto: Wikipedia
In Wuppertal, wo die Armin-Wegner-Stiftung angesiedelt ist, hat es natürlich schon Lesungen aus den Werken von Wegner gegeben. Antiquarisch ist sein Armenierwerk noch erhältlich. Der Film mal im Hangar 312? Ergänzt um literarische Werkausschnitte? Oder Briefe aus der Haft? Aus Neuglobsow würden womöglich auch Interessierte vorbeikommen. Wikipedia nennt als Orte des Gedenkens mit Ehrentafel oder Pflanzung übrigens nur Wuppertal, Berlin und Jerusalem. Bei Gästeführungen soll es in Neuglobsow auch Hinweise auf Armin T. Wegner und seine erste Frau geben. Durch sieben Wälder mussten sie von Rheinsberg aus gehen, bis sie im Glück landeten. Deshalb ihr “Haus der sieben Wälder”.







