“Angerichtet!” – Ein Ohrenschmaus in der Siechenhauskapelle

Musizierende wollen gehört werden. Als Jurist ist Robert Weber auch damit befasst, welche Hörhilfen Menschen unter bestimmten Bedingungen zustehen. Nach Neuruppin in die gut besuchte Siechenhauskapelle war der Berliner Jurist allerdings nicht zum rechtsmedizinischen Fachvortrag gekommen. Er ist Cellist und konzertiert seit ein paar Jahren mit Sarah Frisch (Querflöte) und Stefanie von Freymann (Oboe). Das Motto: “Angerichtet!”

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Komponierende wollen gespielt werden. Marco Buongiorno Nadelli muss sich da keine Sorgen machen. Sein Sound wirkt sanft, geduldig, unaufdringlich – ideal für Restaurants oder Kaffeehäuser als Background oder eben zur Eröffnung eines Konzerts von “Angerichtet”. Nun wusste die Oboistin allerdings gegen Ende der munteren Stunde von Niels Johannes Iversen, einem Schweden, zu berichten, dass dieser ganz schrecklich pessimistisch sei, auch wenn es um seine “Canzonas” gehe. Früher habe er sogar manches Stück einfach verbrannt. Diesmal nicht und so kamen die Lauschenden nach manchem Tanz und etwas Trance aus gut 250 Jahren in den Genuss einer empfindsamen Darbietung an Querflöte, Oboe und Cello, als sei man ganz nah an seinen Schwingungen. Das muss er gespürt haben.
Von dem Norweger Edvard Grieg hatte das Trio gleich zwei Tänze im Repertoire, zuerst eher volkstanzartig und folkloristisch, dann aufgeschwungen mit Eleganz und sauber rhythmisiert zum Walzer. Da kam etwas Unruhe in manchen Fuß, doch wie immer in diesem Traditionshaus herrschte genug Selbstdisziplin, um nicht den Verlockungen zu erliegen. Über den Italiener Antonio Lotti war zu hören, er habe das ausgewählte Kunststück eher zum Zwecke der Unterhaltung komponiert, ja sogar zur Belustigung. Ungezügelt spielten die drei gut gelaunt Musizierenden dennoch nicht auf. Schwungvoll und enthusistisch ging man ans Werk, nur im zweiten Satz eher bedächtig, fast zögernd. Und schon wirkt es etwas traditionell, wenn der in sich ruhende Cellist nicht ausbricht aus dem Rahmen, den die zwei Damen sehr geschickt zu setzen wissen mit ihrer musikalischen Performance und ihrer charmanten Eleganz. Abgerichtet?

Ein Spiel voller Hingabe: Musikgenuss statt Gebrechen und Verdruss.
Fotos: VHS

Sicher nicht. Insider wissen ja längst: “Das Trio trifft sich zum Erzählen, Essen, Trinken und zum vergnüglichen Proben.” Stefanie von Freymann ist ebenfalls Juristin im Hauptberuf. Ein Plädoyer an der Oboe, das wäre neu. Aber gewiss wirkungsvoll unter Paragrafenreitern. Die Dritte im Bunde, die an der Kreismusikschule das Spiel an der Querflöte vermittelt, kann sich auf jeden Fall gut aufgehoben fühlen. Dem Trio zu lauschen, das ist ein Hörgenuss. Was mag nach dem mit viel Befall bedachten Konzert und der kleinen Zugabe wohl für die drei Musizierenden in Neuruppin angerichtet worden sein?

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