“Heimathafen” – eine Willkommensadresse für Menschen aus aller Welt? Foto: VHS
Die drei Buchstaben sucht man vergeblich. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass der 68er Götz Gerald Ulrich Frömming für die AfD im Deutschen Bundestag sitzt. 38,9 % der Erststimmen konnte er im Wahlkreis 56 verbuchen. Kürzlich wurde das Wahlkreisbüro der Partei in der Fischbänkenstraße 20 in Neuruppin eingeweiht. Ausgelassen wurde gefeiert. Man hörte es bis zum Schinkelhaus.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Ein Wahlkreisbüro unterscheidet sich gemeinhin von der Geschäftsstelle einer Partei. Wenn der Name dann auch noch “Heimathafen” ist, wird ein weiter Assoziationsraum geöffnet. So wies Frömming bei der Einweihung, von der ein amateurhaft gestaltetes Filmchen im Internet herumbraust, dass es sich nicht um ein schlichtes Büro handelt. Wozu sonst der Strandkorb? Man will zu Veranstaltungen einladen und Bürgeradresse sein. Plakate der AfD kleben nicht im Fenster. Die Hetze bleibt aus. Der Leuchtturm könnte missverstanden werden. Die Zeugen Jehovas nehmen ihn auch gern. Bleibt die dominierende Farbe, bleibt das Blau auf dem kaum übersehbaren Schild. Die Parteifarbe ist anders. Königsblau hat man gewählt. Rot-Weiß-Blau weht auch die russische Fahne. Das ist gewiss Zufall. Schritttempo ist angesagt. Für Verbrennertypen sicherlich ein Alptraum. Dass sensible Menschen, womöglich mit Migrationshintergrund, hier aus Furcht Gas geben oder Strom, ist eher unwahrscheinlich. Als Hardliner ist Frömming noch nicht verhaltensaufällig geworden.

Videoschnappschuss auf Facebook von VHS.
Besonders in Szene gesetzt wird im Film ein Präsent aus Wittenberge. Parteikameraden haben einen Ritterhelm ausgewickelt. Made in China? So kann man das Rückwärts- und Vorwärtsgewandte schön zeigen. Frömming ist ja Historiker. Ob er den WELT-Journalisten Journalisten Frederik Schindler mal zu einer Lesung in den “Heimathafen” einlädt? “Höcke – Ein Rechtsextremist auf dem Weg zur Macht” hat der sorgfältige Rechercheur eben bei Herder veröffentlicht. Echt extrem lesenwert!
Dass Götz Frömming selbst nicht so einfach in eine Klischeekiste passt, zeigt seine Vita. Wehrdienst abgebrochen! Ein Drückeberger, der Wessi aus Eutin? Immerhin hat er im Zivildienst weitergedient. Den Sänger Herbert Grönemeyer soll der promovierte Germanist mal mit Joseph Goebbels verglichen haben. Gedichtet hat der ja auch. Und man kann Pferdeäpfel und Birnen vergleichen. “Wir wollen stille sein und warten, bis ein Stern vom Himmel fällt.” Liebeslyrik. Goebbels oder Grönemeyer? Auf jeden Fall nicht Theodor Fontane. Für Werktreue soll Frömming plädieren. Und davon öffentliche Förderung abhängig machen. Also keine Adaptionen, die sich allzu frei am Stoff bedienen. Deshalb nimmt Kamerad und Berufskollege Höcke doch vermutlich manchmal lieber das Original.
