Besinnlicher Ausklang der Musikfestspieltage AEQUINOX in Rheinsberg

Die St. Laurentius Kirche in Rheinsberg gilt als kühl. Nicht im Sinne der Seelsorge. Die christliche Botschaft kennt kein Thermometer. Die Begrüßung durch Juliane Felsch-Grunow, die Kirchenmusikdirektorin, war denn auch warmherzig. Der Ausklang der Musikfestpieltage AEQUINOX fand sehr großen Zuspruch. Und durch die Darbietung geistlicher Musik wurden hier noch einmal ganz besondere Akzente gesetzt.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Junge Stimmen sind zu hören. Jungenstimmen singen von Jesu Tod. Werke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach sind ausgewählt worden. Kai-Uwe Jirke hat die musikalische Leitung. Die Begleitung des kleinen Ensembles aus der Lautten Compagney Berlin fällt dezent aus. Der Tod am Kreuz, von jungen Menschen besungen, das allein berührt schon und könnte traurig stimmen. Doch dabei belässt es der Staats- und Domchor aus Berlin nicht.
Kinder und Jugendliche, die man kurz zuvor noch draußen mit einem Eis in der Hand gesehen hatte, oder paar Boys, die locker über die noch verbleibenden freien Minuten quatschten, wirken im Chor wie verwandelt. Dem Ganzen wohnt ein Zauber inne. Einzelne Motive erinnern an die Johannespassion, die zum Auftakt in Neuruppin gegeben wurde. Wieder führt kein Weg daran vorbei: “Es ist vollbracht!” Solostimmen sind zu hören und gut zu verstehen, ob Bernadette Beckermann, Wolfgang Lattke oder Frank Ozimek. Es gibt Schlüsselsätze auf der Grundlage der Evangelien: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Oder: “Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” Stoff für tausend Gedanken. Auch für Gebete. Und eigentlich auch hochpolitisch.

Ein Blick auf das Ensemble bei Bachs bewegendem “Actus Tragicus”.

“Actus tragicus” von Bach steht “Selig sind die Toten” von Johann Gottlieb Naumann gegenüber. Trauer gegen Trost. Trost für Trauernde. Denn der Tod wird damit nicht beschönigt. Das Sterben ist aufgehoben in der Gnade Gottes. Und so singen die jungen Menschen auch. Zum Niederknien. Instrumentalisten wie Stefan Maass an der Laute oder Konstanze Waidosch an der Tenorgambe, um nur zwei Beispiele zu nennen, prägen die berührende Grundstimmung im Gotteshaus.
In der großen Kirche in Fehrbellin hatte Lattke tags zuvor noch ganz locker von der Erwärmung im Kirchengemäuer durch die Hits und Gesänge aus den USA gesprochen. In Rheinsberg ging es um noch mehr. Um den einzelnen Menschen, das menschliche Miteinander und um die Wärme in der Welt. Menschlich gesehen, nicht klimatisch. Um die Überwindung der Kraft und der Macht des Todes im Glauben. Wir leben, als fließe alles dahin. Zäsuren schockieren. Jesu Tod war eine Zäsur. Und ein Anfang. Durch die Überwindung. Durch die Manifestierung des Christentums im Glauben an die Auferstehung. So hatte der Ausklang von AEQUINOX 2026 auch etwas von einer Andacht.

Die Mitwirkenden zum Schlussapplaus in der St.Laurentius Kirche aufgereiht.
Fotos: VHS

Als eingangs aus dem Munde von Gabriele Lettow zu vernehmen war, es werde weitergehen mit AEQUINOX, gab es viel Applaus, aber auch Heiterkeit. Die beiden an der Spitze aufhören? Undenkbar! Wie Mond- und Sonnenfinsternis gleichzeitig, wie AEQUITOX. Für Katschner, den Lautisten, Dirigenten, Spielleiter und Projektmanager hatte Gabriele Lettow schon am Morgen im Jugendfreizeitzentrum in Neuruppin ein besonderes Kompliment parat. Er könne jederzeit auch als Moderator auftreten. Als Job. Wenn er mal keine Lust mehr habe auf das Lautenspiel. Tatsächlich hatten seine Gespräche mit den jungen Akteuren von KALIT großen Eindruck gemacht. Und sie selbst bei allen Anmoderationen nicht minder, etwa am Vormittag, als meistenteils nicht mehr ganz so junge Menschen in großer Zahl das Jugendfreizeitzentrum in Neuruppin besetzten. Friedfertig, versteht sich, kulturhungrig und mit Eintrittskarte. Auch das Generationenverbindende will atmosphärisch gestaltet sein – am besten mit Humor zum Auftakt, eben auf ihre Heiterkeit weckende Art.
Apropos Heiterkeit und Zeitlichkeit. Vor dem einsetzenden hochverdienten Applaus gab es einen Augenblick der Stille. Der Besinnung. Das Auditorium hatte angesichts von “Zeit und Ewigkeit” Gespür für diesen Moment der Todesnähe im Gang der Passionszeit. Nicht anders in Neuruppin in der Kulturkirche am Ende der Johannespassion. Das ist nicht selbstverständlich. Aber umso lobenswerter, besonders bei geistlicher Musik.
Die Musiktage zur Tag- und Nachtgleiche haben ihr Publikum geprägt. Und es gab im 16. Jahr kaum freie Plätze. Die Resonanz motiviert die Akteure im Förderverein Siechenhauskapelle sicherlich schon im Hinblick auf den nächsten Durchgang. Die Teenagerzahl 17 hat doch in der Musik schon die unterschiedlichsten Spuren hinterlassen. Und in der Bibel soll sie für Vollkommenheit stehen. Und die Quersumme für Unendlichkeit. Also heiter, musikbegeistert und geistesgegenwärtig weiter mit AEQUINOX 2027 am Horizont…

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Ein Kommentar

  1. Herzlichen Dank lieber Volkmar für die tollen Artikel über Aequinox 2026. Und danke für die deutliche Erwähnung des Fördervereins Siechenhauskapelle. Es macht viel Freude und es ist schön, Teil von so etwas besonderem zu sein!

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