Viel Heiterkeit beim herbstlichen Aequinox-Konzert in der Kirche zu Garz

Mehr Humor, mehr Durchhaltevermögen als Ehebrecher, mehr Wahrheit in der Himmelskunde – das waren drei der Parolen aus dem Liedgut von John Dowland. Ein Quartett der lautten compagney BERLIN ließ mit dem Konzert “Behold a wonder here” AEQUINOX 2026 in der Kirche zu Garz ausklingen. Das Publikum zeigte sich bestens unterhalten, zumal die musikalische Qualität der Darbietung nicht litt angesichts einer gewissen Leichtigkeit.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Kirche in der kulturaktiven Gemeinde geht auf ein Gotteshaus aus der Zeit des Barock zurück. Der gegenwärtige Bau hat sein Fundament in der Zeit der frühen Aufklärung. Da fügten sich Instrumente wie die Viola da Gamba von Irene Klein, die Renaissancelaute von Max Hattwich und die Theorbe von Wolfgang Katschner bestens ein in das historische Ambiente. Und man hatte noch mehr im Gepäck. Als Sängerin machte es Kathleen Danke sichtlich Freude, sich auf die Ereignisse und Stimmungen einzulassen, um die es in den Songs geht. Als gegen Ende, so Katschner, Humor bis hin zur Groteske Programm wird, geht sie mit in Mienenspiel und Bewegung und albert sogar ein wenig. Und dafür gab es in Garz reichlich Applaus.
Die Quellen des Ensembles stammen aus der Zeit von 1597 bis 1620. Vom Goldenen Zeitalter Englands ist im Programm die Rede. Entscheidende Passagen der Lieder wurden vorab in einer deutschen Übersetzung vorgelesen. Das war hilfreich. Die Instrumentalarbeit ist frei von Ironie, Scherz und Satire. Anders die Verse. Da wird auch mal gejammert und gelitten und dennoch um mehr davon gebeten. Einen Springtanz von Männern im Beinkleid jener Zeit schildert Katschner besonders anschaulich. Und für das höfische Leben hat er wie Dowland viel Spott übrig. Das Loblied eines Mannes auf Waldeseinsamkeit will er ausdrücklich wörtlich verstanden wissen. Und so schleicht immer wieder ein verschmitztes Lächeln über die Gesichter im Altarraum, sogar bei “Death and Life” von Tobias Hume. Ansonsten war der großartige Abend ganz dem Musiker und Komponisten gewidmet, dessen Tod nun schon 400 Jahre zurückliegt. Ihn als Melancholiker zu charakterisieren, wie gelegentlich andernorts geschehen beim Gedenken, dürfte der Persönlichkeit und dem Schaffen Dowlands nicht hinreichend gerecht werden. Was Kathleen Danke mit Dowland den Astronomen entgegenhält, zeugt von Mut und dem Willen, die Welt und die Gestirne zu verstehen. Rom war allerdings weit entfernt und ein Galilei noch nicht am Pranger.

Zu Recht beklatscht und gefeiert: Der Chef mit seinem Ensemble.
Fotos: VHS

Als Einladende zeigten sich Gabriele Lettow vom Förderverein Siechenhauskapelle und Andre Schmitz als Gutsherr aus Garz hochzufrieden mit den Darbietungen und der Resonanz. Lettow wies bereits kurz auf AEQUINOX 2027 hin. Das Konzert zur Eröffnung findet am 19. März in der Kulturkirche statt. Das Ensemble Wildes Holz wird dabei sein. Und natürlich die lautten compagney BERLIN, dann in großer Formation. Hoffentlich liegen die Astronomen nicht falsch mit dem bisher geltenden Kalender der Halbheiten…

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