Mal aus luftiger Höhe auf das Anwesen der Familie Gentz schauen? Foto: VHS
Die Historikerin Brigitte Meier schreibt über Alexander Gentz: “Der 22-jährige Kaufmannssohn erfasste das Kernproblem dieser europäischen Revolutionen sehr schnell.” Der am 14. April 1826 geborene Neuruppiner hatte aus Paris, wo er um 1848 als Voluntär seine Erfahrungen machte, geschrieben, zuerst müssten “die unnützen Fürsten und Könige weggejagt werden”. Erst dann könne wahre Einigkeit und ein deutsches Reich hergestellt werden.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Später liest man bei Meier, Alexander Gentz habe als Kaufmann und Unternehmer die “neue Bürgerlichkeit auf einem hohen Niveau ausgelebt”. Und irgendwann saß er ein paar Wochen im Gefängnis? Eine komplexe, eine wechselvolle Geschichte – Grund genug, sich 2026 mit diesem Sohn der Stadt intensiv zu befassen. In Neuruppin wird der Name Gentz zu Recht untrennbar mit dem Tempelgarten verknüpft. Johann Christian Gentz, der Vater, hatte das Anwesen 1853 erworben. Er gestaltete, so Meier, den Tempelgarten “gemeinsam mit seinem Sohn Alexander zu einem öffentlich begehbaren und ästhetisch sehr ansprechenden Garten”.

Johann Christian Gentz habe seinem Sohn Alexander ein imposantes Großunternehmen hinterlassen. Es wurde erweitert, ausgehend von der Torfwirtschaft. Dass Kinderarbeit und heute unmenschliche wirkende Arbeitszeiten dazugehörten, wird nicht unterschlagen. Alexander Gentz habe jedoch die Veränderungen auf dem Markt nicht früh genug wahrgenommen. Es geht um nicht weniger als die industrielle Revolution, es geht um Kohle und Stahl, um Schiene und Eisenbahn. Eine umfassende strukturelle Veränderung steht an. Für den einst im fernen Paris so radikal Formulierenden ging es aber längst auch um Lebensstil und Repräsentanz. Meier bilanziert: “Bei dem Ausbau des Gutes Gentzerode hatte er sich finanziell übernommen.”
Am Ende stand ein Konkursverfahren, es soll in der Bevölkerung zu Schadenfreude und Gehässigkeit gekommen sein. Ein erfolgreicher Unternehmer und aktiver Kommunalpolitiker mit liberal-konservativem Profil in Untersuchunghaft, das war sicherlich eher selten. Als das Deutsche Reichsgericht das Urteil des Landgerichts gegen den Kaufmann Alexander Gentz am 11. Mai 1883 aufhob, war das Ansehen längst schwer beschädigt. Wie erlebte die Ehefrau Helene diese Entwicklung? Wie die Kinder, die leiblichen und die angenommenen? Alexander Gentz verbrachte die letzten Lebensjahre gemeinsam mit seiner Frau in Stralsund. Dort verstarb er am 5. Juli 1888. Wikipedia nennt ein anderes Datum.
Man darf gespannt sein, wie der 200. Geburtstag im nächsten Jahr begangen wird. An Theodor Fontane, dem Nachbarskind in frühen Tagen, wird man auch nicht vorbeikommen. Einen Roman hat er aus diesem Leben leider nicht geformt. In den “Wanderungen” indessen findet er Beachtung. Auf angemessene Weise? Der Tempelgarten, inzwischen wieder mit gastronomischem Angebot, wäre sicher prädestiniert als Ort des feierlichen Gedenkens. Mit dem Tempelgarten Verein als Veranstalter? Das Museum mit seinem engagierten Team um Maja Peers ist ja auch nur wenig mehr entfernt als einen Steinwurf.







